Saure Zitrone 2010 – Breslauer Platz und Kurt-Hackenberg-Platz

Ein „systemisches Problem“

Kölner Verkehrsverein vergibt „Saure Zitrone“ für die Vernachlässigung des öffentlichen Raums zwischen Breslauer Platz und Kurt-Hackenberg-Platz

Was haben die U-Bahn-Baustelle am Breslauer Platz, die Umgebung des Musical-Domes, die Unterführungen zwischen Hauptbahnhof und Rhein und die Baustelle am Kurt-Hackenberg-Platz gemeinsam? Hier zeigt sich die Stadt von ihrer schlechtesten Seite: Dreck, schlechtes Baustellenmanagement, keinerlei Koordination, Zuständigkeitswirrwarr. Und noch etwas: Seit heute sind diese Innenstadtbereiche gemeinsam Träger der „Sauren Zitrone“ 2010. Die Jury des Kölner Verkehrsvereins erklärte diese Zone einstimmig und mit großem Abstand zum diesjährigen „Sieger“. Mit seiner Negativauszeichnung „Saure Zitrone“ prangert der Verein aus Unternehmern und Bürgern besondere Missstände im öffentlichen Raum an. „Das Areal zwischen Breslauer Platz und Kurt-Hackenberg-Platz steht stellvertretend für ein besonderes Problem, auf das wir dieses Jahr mit aller Deutlichkeit hinweisen wollen“, sagte Martin Schwieren, Vorsitzender des Kölner Verkehrsvereins, bei der „Preisverleihung“: unzureichende Planungs-, Entscheidungs- und Durchführungsprozesse. „Die Jury hat betont, dass sie hier ein systemisches Problem sieht“, so Schwieren, „nämlich unklare Zuständigkeit und einen Mangel von Verantwortlichkeit!“ Für die Übergabe der „Sauren Zitrone“ hatte der Verein den Planungs- und Baudezernenten der Stadt Köln, Bernd Streitberger, gewinnen können. „Er ist nicht der Schuldige“, unterstrich Schwieren, „aber er übernimmt Verantwortung und will mit allen Kräften Licht ins Dunkel des Zuständigkeitswirrwarrs bringen. Das begrüßen wir außerordentlich!“

Martin Schwieren erinnerte bei der Vergabe der „Sauren Zitrone“ an die Worte des Dichters Friedrich Dürrenmatt von 1955: „In der Wurstelei unseres Jahrhunderts, gibt es keine Schuldigen und auch keine Verantwortlichen mehr. Alle können nichts dafür und haben es nicht gewollt.“ Schwieren beklagte, dass genau hierin das Problem liege: „Die Bahn kümmert sich nicht, weil angeblich die Stadt zuständig sei. Die schiebt es auf die KVB, die weist ihrerseits jede Zuständigkeit von sich“, spricht Schwieren aus seiner Verkehrsvereinserfahrung. „Am Ende geschieht nichts – weil keiner koordinierend eingreift, Verantwortung übernimmt, Gestaltungswillen zeigt.“

Die Zone zwischen Breslauer Platz und Kurt-Hackenberg-Platz sei ein typisches Beispiel dafür, hatte die Jury unterstrichen. Baustellen würden schlecht aufeinander abgestimmt, Bauzäune seien ungepflegt, in toten Ecken sammle sich der Müll. „Das alles gibt ein jämmerliches Bild ab – aber es scheint niemanden der Beteiligten zu interessieren“, beklagte Schwieren. Der Vorsitzende des Kölner Verkehrsvereins erinnerte in diesem Zusammenhang an die Installation eines Stadtraummanagements vor ein paar Jahren. „Wir dachten, dass das Grundproblem in dieser Stadt – wen kann man ansprechen, wer kümmert sich? – damit gelöst sei“, so Schwieren, „aber ich frage Sie: Wo ist die Stadtraummanagerin? Was tut sie? – Wir finden, man hört und sieht von ihr zu wenig!“

„Hier muss etwas passieren“, forderte Schwieren. „Hier wird etwas passieren“, kündigte Dezernent Bernd Streitberger an. Er nehme die „Saure Zitrone“ genau deshalb entgegen: um Verantwortung zu übernehmen, um zu zeigen, dass eine bessere Koordination und klare Zuständigkeiten unerlässlich sind, um bei Bürgern und Besuchern Verständnis für Bau- und Entwicklungsmaßnahmen zu erzeugen. „Wir sind Herrn Streitberger sehr dankbar dafür, dass er heute gekommen ist und die ‚Saure Zitrone’ entgegengenommen hat“, unterstrich Schwieren. „Er wird sich kümmern und für bessere Abläufe stark machen – das ist ein guter Anfang!“

Der Kölner Verkehrsverein wurde 1963 als breit angelegte und überparteiliche Initiative von Bürgern und Unternehmern gegründet, die sich mit ihrer Stadt identifizieren und sie attraktiver gestalten wollen. Seitdem begleitet und beobachtet der Verein die gesellschaftliche Entwicklung und stadtpolitischen Maßnahmen kritisch, aufmerksam und stets bereit, mit eigenen Initiativen einzugreifen. Dem Vorstand gehören an: Martin Schwieren (Vorsitzender), Schwierenstein, Lambert Bachem (stv. Vorsitzender), Bachem Medien GmbH, Heinrich Becker, Privatbrauerei Gaffel, Becker & Co, Herbert Hamacher, Galeria Kaufhof GmbH, Henrik Hanstein, Kunsthaus Lempertz, Wilhelm Luxem, Excelsior Hotel Ernst, Wiljo Schumacher, Theodor Schumacher Söhne Holzhandels GmbH, Elisabeth Slapio, Industrie- und Handelskammer zu Köln, Josef Sommer, KölnTourismus GmbH, Gottfried Staats, Gastronom und Jurymitglied Kaspar Kraemer, Architekt

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